Olinger

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Liebe auf den ersten Schluck – Der Winzer Nicolas Olinger 

Als Sohn einer Winzerfamilie mag es naheliegen, in die Fußstapfen der Eltern zu treten. Eine gute Grundvoraussetzung. Was war Deine Motivation Winzer zu werden?

„Schon als kleines Kind bin ich gerne mit in unsere Weinberge gegangen...“ trifft bei mir leider überhaupt nicht zu. In meiner Jugend hatte ich ein sehr elitäres und steifes Bild vom Umgang mit Wein; Begeisterung war da für mich nur schwer aufzubringen. Eigentlich schade, weil in unserer Familie schon seit 8 Generationen Weinbau betrieben wird. Bei Ausflügen an die Mosel – von dort stammt mein Vater – war ich immer von den Weingütern und Weinbergen gelangweilt. Als ich dann zur Zeit meines Abiturs begriff, welches Plus an Lebensqualität guter Wein, dazu passendes Essen und nette Gesellschaft bedeuten, war ich vom Wein-Virus infiziert...

Schon in Deiner Ausbildung hast Du Dich immer für ökologischen Weinbau interessiert. Welche Erfahrungen hast Du während Deiner Arbeit auf dem biodynamischen Weingut Te Whare Ra in Neuseeland gemacht und wie setzt Du diese in Deinem Betrieb um?

Mir war es wichtig, mal von zuhause wegzukommen. Einfach um einen anderen Blick auf die Heimat zu bekommen. Vom anderen Ende der Welt sieht man dann, wie klein Franken wirklich ist. Gelernt habe ich, dass nicht alles Gold ist, was glänzt und man sich auf das konzentrieren soll, was man selbst am besten kann und andere vielleicht nicht so gut können. So schielen Winzerkollegen auf die Südhalbkugel, um zuhause "new-world-wine-making" einzuführen und die Neuseeländer beneiden unsere europäische Weinbautradition. Außerdem gilt für mein Sortiment: weniger ist mehr. Ein deutlich reduziertes und klar nachvollziehbares Sortiment bedeutet dem Konsumenten – und auch mir als Winzer – viel mehr, als der Gedanke einer unüberschaubaren Masse gerecht zu werden.

Was inspiriert Dich am meisten bei Deiner Arbeit?

Was mich an meisten antreibt ist, dass man als Winzer unglaublich kreativ sein kann. Man hat ein Stück Land, bepflanzt es mit einer Rebsorte, pflegt es und erntet nach ein paar Jahren die ersten Trauben. Es ist auch mega spannend, wenn man mit Reben arbeiten darf, die vor über 40 Jahren von meinen Großeltern gepflanzt wurden und heute wunderschöne kleine Trauben tragen. Im Weinkeller passiert – vorausgesetzt man hat gutes Traubenmaterial – unter Beobachtung des Winzers und mit der nötigen Geduld, viel von selbst. Dann bastelt man selbst am eigenem Packaging, seinem Außenauftritt und darf den Wein unter die Leute bringen, wie man ihn selber am liebsten trinkt. Dabei muss ich nicht unbedingt jedem Trend folgen.

Im Rahmen Deines Studiums hast Du bei uns ein Praktikum gemacht.

 Als ich im Dezember 2015 das erste Mal Euren Hamburger Weinladen St. Pauli besuchte, war ich sofort schock-verliebt und begeistert. Es ist schon der Hammer, was dort geht und wie unkompliziert und gleichzeitig höchst professionell der Umgang mit Wein sein kann. Den Kunden und Gästen auf Augenhöhe zu begegnen, sie abzuholen, mitzunehmen und zu verführen ist für mich eine Qualität, die meiner Philosophie Wein zu machen voll entspricht. ...

Apropos mitnehmen: Welche drei Dinge würdest Du auf eine einsame Insel mitnehmen?

Wein, eine Gitarre, um sie endlich spielen zu lernen und Brot von unserem Bio Bäcker aus dem Ort.