Steil unterwegs – Trink Dich mit Matthias Knebel und uns nach oben

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Abends weißt Du, was Du geschafft hast

Matthias Knebel im Interview

So steil wie die Heimat Deiner Weine ist auch Dein Werdegang. Wie bist Du zum Wein gekommen?

Ich habe mich tatsächlich erst relativ spät dazu entschieden, das Familienweingut zu übernehmen. Aber „Familie“ ist wohl der entscheidende Punkt – seit über 400 Jahren fließt Wein durch unsere Adern. Dem kann man sich schlecht entziehen – Spaß bei Seite –Tradition ist mir dennoch sehr wichtig und ich bin froh und auch ein wenig stolz, diese lange Geschichte fortzuführen. Mir bedeutet es wahnsinnig viel, die Erzeugung eines so emotionalen Produktes wie Wein von Anfang an zu begleiten und mit jedem einzelnen Schritt auf dessen Qualität Einfluss nehmen zu können.

Die Arbeit an der Terrassenmosel ist extrem hart, teilweise lebensgefährlich. Was verbindet Dich mit diesem Ort?

Naja, unter lebensgefährlich würde ich etwas Anderes verstehen. Die Arbeit in den Terrassen ist hart und nicht ganz ohne, das stimmt. Ohne Fleiß kein Preis! Und mal ehrlich – Du weißt abends, was du geschafft hast. Das ist ein gutes Gefühl. Davon abgesehen bin ich ja nun einmal hier geboren und groß geworden. So wichtig wie Familie und Tradition ist mir auch die Verbundenheit mit meiner Heimat. Unsere Lagen haben ein wahnsinnig großes Potenzial und das herauszuarbeiten ist die größte Motivation. Wir müssen nur noch etwas daran arbeiten, dass echte Handarbeit auch wieder mehr Wertschätzung erfährt.

Das Image von Moselweinen hat sich in den letzten 10 Jahren stark verändert. Vom Großeltern-Schluck im Schränkchen zum angesagten – wieder weltweit – gefeierten Wein. Woran liegt das?  

In erster Linie an der Qualität der Weine. Blicken wir in der Geschichte zurück, so macht die Epoche des „Großeltern-Schlucks“ doch nur einen recht kurzen Zeitraum aus. Leider dauert es viel länger einen Ruf wieder aufzubauen, als ihn zu ruinieren. Wir profitieren heute natürlich von der Vorarbeit unserer Elterngeneration. Gerade an der Mosel ist in den letzten 10 Jahren vielen bewusst geworden, dass eine Profilierung auf Dauer nur doch konsequentes Streben nach Qualität möglich ist.

In einem Interview hast Du einmal gesagt, Du willst „den Boden in den Wein bringen“. Wie gehst Du vor, um das umzusetzen?

Das ist natürlich im übertragenden Sinne gemeint. Ich möchte herkunftsgeprägte Weine erzeugen, deren Ursprung schmeckbar ist. Die Weine von der Terrassenmosel unterscheiden sich grundliegend von denen der Mittelmosel. Die Weine aus dem RÖTTGEN (VDP.GROSSE LAGE) unterscheiden sich grundliegend von denen aus dem UHLEN (VDP.GROSSE LAGE). Woran das liegt? An den vorgegebenen Standortfaktoren, wie Boden, Mikroklima, etc. und natürlich an der Arbeit des Winzers. Wir setzen bei der Weinbereitung auf die Vergärung durch wilde, natürliche Hefen und verwenden keinerlei Schönungs- oder sonstige Hilfsmittelchen.

Woher holst Du Dir die Inspiration für Deine Arbeit?

Inspiration hole ich mir über den intensiven Austausch mit Kollegen und das Verkosten von vielen Weinen. Inspiration kann natürlich nur wirken, wenn der Kopf klar ist und dafür braucht jeder einen gewissen Ausgleich. Meinen Ausgleich finde ich am besten bei gutem Essen oder auf dem Mountainbike.

Was bedeutet Weinladen für Dich?

Der Weinladen steht für mich sinnbildlich für den lockeren, unverkrampften Umgang unserer Generation mit dem Thema Wein – eben genau weg von dem „Großelternschluck-Image“. Dazu leistet Ihr einen fantastischen und riesengroßen Beitrag. Vielen Dank dafür!