Weinlese

7 Artikel

pro Seite

In absteigender Reihenfolge

7 Artikel

pro Seite

In absteigender Reihenfolge

Reifegrad, Meteorologie und Rock ‚n’ Roll – Unsere Winzer bei der Weinlese 

Die spannendste und entscheidendste Zeit im Kalender eines Winzers ist die Weinlese, die sich je nach Witterungsverlauf und Rebsorte üblicherweise von September bis Anfang November hinziehen kann. Es geht um den perfekten Reifegrad, Meteorologie, Glück, Erfahrung und den richtigen Augenblick. Hier werden die wichtigsten Weichen für den Wein gestellt – mit höchster Sensibilität und körperlicher Schwerstarbeit. Oft liegen die Nerven blank und die Arbeit wird zum Krisenmanagement. Immerhin steht alles auf dem Spiel. Wir haben vier unserer Winzer aus Rheinhessen, der Pfalz und von der Mosel danach gefragt.

Katharina Wechsler, Rheinhessen:

Wenn man als Winzer nach 7 Jahrgängen glaubt, man hätte so langsam etwas Erfahrung mit Extremen gesammelt und könnte der Lese daher entspannt entgegensehen, zeigt einem die Natur den Stinkefinger und man wird sich wieder einmal bewusst, dass man gar nichts weiß und nichts planen kann. 2017 ist genau das passiert. Eigentlich sah bis Ende August alles ok aus. Bis am 25. August ein schweres Gewitter mit Hagel über die Westhofener Weinberge hinweg zog und bis zu 60 Prozent der Trauben beschädigte. Die Beeren platzten teilweise auf oder sie sahen aus, als hätten sie bei einem Boxkampf kräftig einstecken müssen. Wir mussten daher bei machen Sorten sehr viel früher lesen als üblich, um die Trauben vor weiterer Fäulnis zu schützen. Das penible Sortieren von Trauben und Rausschneiden von beschädigten Teilen war in diesem Jahr wichtiger denn je. Nur so konnten wir für die unbeschädigten Trauben Bedingungen schaffen, die sie zur weiteren Reife unbedingt benötigten. Nach diversen Vorlesen konnten wir dann Ende September goldgelbe und reife Trauben lesen, über die sich das ganze Team und Hofhund Ronja freuten. 2017 wird ein Jahr, das ich nicht so schnell vergessen werde. Ein mengenmäßig sehr, sehr kleiner Jahrgang, aber jede Mühe war es wert!

Matthias Knebel, Mosel

Die Weinlese 2017 ist wieder einmal nichts für schwache Nerven. Die anhaltenden Niederschläge im September hatten uns bereits etwas Feuer unter dem Hintern gemacht. Zurzeit ist die Witterung leider auch sehr unbeständig und wir schauen – zumindest gefühlt – alle 5 Minuten nach dem Wetterbericht. Hoffen und Bangen gehören aber eben auch ein Stück weit zu unserem Beruf dazu – die Natur gibt und die Natur nimmt. Aber, wie sagt, man hier bei uns im Rheinland so schön – et hätt noch immer jot jegange! Also pokern wir und gehen davon aus, dass alles gut wird.

Lewis Schmitt, Weingut J. Neus, Rheinhessen

Der Jahrgang 2017 hält für uns tolle Qualitäten bereit, die wir nur durch die konsequent selektive Handlese erzielen konnten. Die Erträge sind leider sehr gering. Alles in allem: Klein aber fein...

Christian Krack, Pfalz

Wir haben Ende August die ersten reifen Trauben geerntet. Eigentlich dachten wir, wir könnten uns von unserer Weinkerwe noch erholen, aber da wurde nichts draus.  Statt Flip-Flops waren dann eben Gummistiefel angesagt ... Der absolut beste Moment war, mittags noch schnell die Presse mit Riesling befüllt und abends zu 'Gimme Shelter' auf dem Stones Konzert in München getanzt ... Wir haben einen super starken Jahrgang im Keller, der von Rock 'n' Roll vom ersten bis zum letzten Lesetag geprägt ist und freuen uns drauf, ihn mit euch und allen anderen feiern zu dürfen!